IHPSO Professional Code of Conduct
1. Zweck
Der IHPSO Professional Code of Conduct definiert die grundlegenden Verhaltenspflichten für IHPSO Professional Members.
Er ergänzt die jeweils anwendbaren IHPSO Professional Standards und schafft eine gemeinsame Grundlage für Integrität, Scope of Practice, evidenzangemessene Kommunikation, Safety, Transparenz und Professional Accountability.
IHPSO Membership ersetzt keine staatliche Lizenz, berufsrechtliche Zulassung oder gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation. Der Code erweitert nicht automatisch den gesetzlichen Scope of Practice eines Professionals.
Professionals bleiben dafür verantwortlich, alle für ihre Tätigkeit geltenden gesetzlichen, regulatorischen, beruflichen, organisatorischen und vertraglichen Anforderungen einzuhalten.
2. Integrität & Professional Conduct
IHPSO Professionals verpflichten sich:
- wahrheitsgemäß, redlich und professionell zu handeln;
- ihre Qualifikationen, Erfahrung, Kompetenzen, Membership, Credentials und berufliche Rolle korrekt darzustellen;
- keine irreführenden, falschen oder unbelegten Angaben über sich selbst, ihre Leistungen oder IHPSO zu machen;
- Professional Standing nicht in einer Weise darzustellen, die über den tatsächlich aktuellen IHPSO Status hinausgeht;
- wesentliche Fehler angemessen zu korrigieren, sobald sie erkannt werden.
Professional credibility requires conduct that can withstand scrutiny.
3. Scope of Practice
IHPSO Professionals handeln innerhalb ihres tatsächlichen Scope of Practice.
Scope wird nicht allein durch Membership, Berufsbezeichnung, Kursabschluss oder persönliche Erfahrung bestimmt. Er ergibt sich aus dem Zusammenspiel von:
Competence · Professional Role · Applicable Rules · Context
Professionals verpflichten sich:
- nur Tätigkeiten auszuführen, für die sie angemessen kompetent und befugt sind;
- Education, Coaching oder allgemeine Information nicht irreführend als Diagnosis, Treatment oder andere regulierte professionelle Leistung darzustellen;
- IHPSO Membership, Certificates oder Badges nicht als Erweiterung staatlicher oder gesetzlicher Berufsbefugnis darzustellen;
- bei Unsicherheit über den eigenen Scope angemessen zu begrenzen, zu klären oder weiterzuverweisen.
4. Evidence & Scientific Communication
IHPSO Professionals verpflichten sich, wissenschaftliche Aussagen so zu kommunizieren, dass die Stärke der Sprache die Stärke und Relevanz der Evidenz nicht überschreitet.
Dazu gehört insbesondere:
- konkrete Claims von allgemeinen Annahmen zu unterscheiden;
- Association, Causation, Mechanism, Biomarker und Clinical Outcome nicht unzulässig gleichzusetzen;
- relevante Unsicherheit, Limitationen und widersprüchliche Evidenz nicht bewusst zu verschweigen;
- Testimonials oder persönliche Erfahrungen nicht als Ersatz für geeignete Evidenz objektiver Health Claims darzustellen;
- wissenschaftliche Einschätzungen zu aktualisieren, wenn bessere Evidenz dies verlangt;
- wesentliche Interessenkonflikte transparent zu behandeln.
Evidence gaps are part of the evidence.
5. Safety & Risk
IHPSO Professionals behandeln Safety als fortlaufenden professionellen Prozess.
Sie verpflichten sich:
- relevante Hazards und Risiken innerhalb ihrer Rolle zu berücksichtigen;
- Person, Exposure, Dose, Intensity, Duration, Frequency und mögliche Risk Stacking Effekte angemessen einzubeziehen;
- bekannte relevante Risiken und wesentliche Unsicherheiten nicht zu verharmlosen;
- Stop Criteria und Referral angemessen einzusetzen;
- neue, starke, ungewöhnliche oder persistente Warnzeichen ernst zu nehmen;
- bei möglicher akuter Gefährdung lokale Notfallverfahren anzuwenden.
Red Flag ≠ Diagnosis.
Professionals diagnostizieren nicht allein aufgrund eines Warnzeichens, sondern erkennen, wann Stop, Modify, Refer oder Emergency Action erforderlich sein kann.
6. Informed Choice & Autonomie
IHPSO Professionals respektieren die Entscheidungsfreiheit der Menschen, mit denen sie arbeiten.
Wo für die professionelle Situation relevant, sollen Informationen zu Zweck, erwartbarem Nutzen, wesentlichen Risiken, Unsicherheiten, Alternativen und der Möglichkeit, eine Intervention nicht durchzuführen oder abzubrechen, verständlich kommuniziert werden.
Professionals dürfen Entscheidungen nicht durch Täuschung, unangemessenen Druck, Angst, künstliche Dringlichkeit oder irreführende Autoritätsclaims beeinflussen.
Informed Choice legitimiert keine Tätigkeit außerhalb des Scope und ersetzt keine erforderliche medizinische, regulatorische oder rechtliche Genehmigung.
7. Privacy, Confidentiality & Data Responsibility
IHPSO Professionals behandeln personenbezogene und vertrauliche Informationen verantwortungsvoll.
Sie verpflichten sich:
- nur Informationen zu erheben oder zu nutzen, die für einen legitimen professionellen Zweck angemessen sind;
- Vertraulichkeit und anwendbare Datenschutzanforderungen zu beachten;
- sensible Informationen nicht unnötig offenzulegen;
- Daten, Biomarker, Wearable Outputs oder andere persönliche Informationen nicht außerhalb des legitimen Zwecks zu verwenden;
- Sicherheits- oder Offenlegungspflichten zu beachten, soweit anwendbare Regeln dies erfordern.
8. Conflicts of Interest & Commercial Transparency
Kommerzielle Interessen sind nicht automatisch unethisch. Sie müssen jedoch dort transparent behandelt werden, wo sie eine professionelle Empfehlung oder deren Wahrnehmung vernünftigerweise beeinflussen können.
IHPSO Professionals verpflichten sich:
- relevante finanzielle Interessen, Affiliate Relationships, Sponsoring, Produktbesitz oder andere wesentliche Interessenkonflikte angemessen offenzulegen;
- kommerzielle Interessen nicht über Safety, Scope oder wissenschaftliche Redlichkeit zu stellen;
- keine irreführenden Claims zu verwenden, um Produkte, Services, Memberships oder Interventionen zu verkaufen;
- Vergütung oder wirtschaftliche Interessen nicht als wissenschaftliche Evidenz darzustellen.
9. Professional Boundaries & Respect
IHPSO Professionals behandeln Menschen respektvoll und achten professionelle Grenzen.
Sie verpflichten sich:
- Macht-, Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnisse nicht auszunutzen;
- unangemessene Diskriminierung, Belästigung, Einschüchterung oder ausbeuterisches Verhalten zu vermeiden;
- ihre professionelle Rolle gegenüber Klienten, Teilnehmern, Lernenden und der Öffentlichkeit klar zu halten;
- Grenzen zu erkennen und angemessen zu reagieren, wenn eine professionelle Beziehung nicht mehr verantwortungsvoll fortgeführt werden kann.
10. Referral & Zusammenarbeit
Professionelle Kompetenz umfasst auch die Fähigkeit zu erkennen, wann andere Expertise erforderlich ist.
IHPSO Professionals verpflichten sich:
- angemessen weiterzuverweisen, wenn eine Fragestellung außerhalb ihres Scope oder ihrer Kompetenz liegt;
- bei relevanten Risiken oder Red Flags nicht so zu handeln, als hätten sie eine Diagnose gestellt;
- andere qualifizierte Professionals respektvoll einzubeziehen, wenn dies für die Situation sinnvoll oder erforderlich ist;
- Referral nicht als persönliches Versagen, sondern als legitime professionelle Entscheidung zu behandeln.
11. Accurate Representation of IHPSO Status
IHPSO Professionals dürfen ausschließlich ihren tatsächlich aktuellen IHPSO Status darstellen.
Insbesondere gilt:
- ACTIVE darf nur dargestellt werden, solange der Professional im IHPSO System als ACTIVE geführt wird;
- nach Ablauf darf kein Active Professional Member Status mehr behauptet werden;
- IHPSO Membership darf nicht als staatliche Lizenz, staatliche Anerkennung, medizinische Zulassung oder automatische externe Accreditation dargestellt werden;
- Education Badges und Certificates dokumentieren die jeweils vorgesehene IHPSO Education Completion;
- die IHPSO Professional ID gehört zur Person und darf nicht auf andere Personen oder Organisationen übertragen werden;
- das veröffentlichte IHPSO Registry Profile ist für den öffentlich dargestellten IHPSO Status maßgeblich.
12. Accountability & Continuing Responsibility
IHPSO Professional Standing ist eine fortlaufende Verantwortung.
Professionals verpflichten sich:
- die anwendbaren IHPSO Professional Standards zu beachten;
- relevante Änderungen ihres Status oder ihrer professionellen Situation entsprechend den IHPSO Requirements zu behandeln;
- wesentliche Fehler oder irreführende öffentliche Aussagen angemessen zu korrigieren;
- bei Incidents und Near Misses angemessen zu handeln und daraus zu lernen;
- bei Änderungen von Evidenz, Standards oder anwendbaren Anforderungen ihre Professional Practice entsprechend zu überprüfen.
No harm does not mean no lesson.
13. Verhältnis zu IHPSO Standards und anwendbarem Recht
Dieser Code ist Teil des IHPSO Professional Framework.
Er ersetzt nicht:
- anwendbares Recht;
- staatliche oder regulatorische Anforderungen;
- berufsrechtliche Standards;
- medizinische oder andere fachbezogene Guidelines;
- Arbeitgeber- oder Organisationsanforderungen;
- vertragliche Verpflichtungen.
Wo eine verbindliche externe Anforderung strenger ist als dieser Code, bleibt die strengere anwendbare Anforderung maßgeblich.
IHPSO Membership schafft keine Befugnis, Tätigkeiten auszuführen, die einer Person ansonsten nicht erlaubt sind.
14. Governance, mögliche Verstöße & Fair Process
Die Annahme dieses Codes begründet die Verpflichtung, seine Anforderungen während der IHPSO Professional Membership einzuhalten.
Ein vermuteter Verstoß gegen diesen Code ist nicht automatisch ein festgestellter Verstoß. Soweit IHPSO einen möglichen Code-Verstoß prüft, soll die Beurteilung auf nachvollziehbaren Informationen beruhen und dem betroffenen Professional grundsätzlich eine angemessene Möglichkeit geben, zu wesentlichen Vorwürfen Stellung zu nehmen, bevor eine nachteilige endgültige Membership-Entscheidung getroffen wird, soweit nicht eine vorläufige Maßnahme zum Schutz von Personen, der Integrität des Registry oder des IHPSO Systems erforderlich ist.
Je nach Schwere, Kontext, Wiederholung und möglichem Schaden können angemessene Reaktionen unter anderem umfassen:
- Hinweis, Education oder Aufforderung zur Korrektur;
- Korrektur einer irreführenden öffentlichen Darstellung;
- zusätzliche Review- oder Compliance-Anforderungen;
- vorläufige Einschränkung oder Suspension des IHPSO Status;
- Beendigung oder Revocation der IHPSO Membership bzw. des IHPSO Status, sofern der dafür geltende Governance-Prozess dies vorsieht.
Eine IHPSO Entscheidung über Membership oder Status ist keine staatliche, medizinische oder berufsrechtliche Disziplinarentscheidung und ersetzt keine Zuständigkeit gesetzlicher, regulatorischer oder professioneller Stellen.
Ein separater IHPSO Complaints & Accountability Process soll Zuständigkeit, Einreichung, Review, Notice, Response, mögliche Interim Measures, Decision, Dokumentation und gegebenenfalls Review/Appeal regeln. Dieser Code allein soll keinen vollständigen Disciplinary Procedure ersetzen.
15. Versionierung & fortlaufende Annahme
Für jede Annahme dieses Codes sollen mindestens die Identität des Professionals, Datum/Zeit der Annahme und die akzeptierte Code-Version nachvollziehbar gespeichert werden.
Materielle Änderungen des Codes werden versioniert. IHPSO kann bei einer materiellen neuen Fassung eine erneute ausdrückliche Annahme verlangen, bevor ein Professional seinen ACTIVE Status fortführt oder erneuert. Redaktionelle oder nicht materielle Änderungen müssen nicht automatisch eine erneute Annahme auslösen.
Für die Beurteilung eines behaupteten Code-Verstoßes soll grundsätzlich die Code-Fassung berücksichtigt werden, die zum Zeitpunkt des relevanten Verhaltens galt, soweit anwendbare Regeln nichts anderes verlangen.
16. Acceptance
Mit der Annahme dieses Codes bestätigt der Professional, den IHPSO Professional Code of Conduct gelesen und verstanden zu haben und sich zu verpflichten, ihn sowie die für die Membership geltenden IHPSO Professional Standards einzuhalten.
Die Annahme des Codes ist eine Voraussetzung für Active Professional Status innerhalb des IHPSO Frameworks.
